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K07 Endliche Körper

Ringe und (insbesondere endliche) Körper

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Persönliche Notizen zur Vorbereitung der LDS Vorlesung. Diese Notizen waren 
ursprünglich nicht zur Herausgabe gedacht und sind entsprechend mit Vorsicht 
zu genießen. Es wird dringend empfohlen, dass Buch zu verwenden:

Angelika Steger: Diskrete Strukturen. 
Band 1: Kombinatorik, Graphentheorie, Algebra.
2. Auflage, Springer 2007, 978-3-540-46660-4


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 Algebraische Strukturen (Buch Kapitel 5.4)
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Definition: Ring
  Ein Ring ist eine algebraische Struktur R=(R,⊕,⊙) mit Signatur (2,2) und:
    R1) (R,⊕) ist kommutative Gruppe mit neutralem Element 0
    R2) (R,⊙) ist ein Monoid mit neutralem Element 1
    R3) a⊙(b⊕c) = (a⊙b)⊕(a⊙c) für alle a,b,c∈R (Distributivgesetz)
        (b⊕c)⊙a = (b⊙a)⊕(c⊙a) für alle a,b,c∈R (Distributivgesetz)
  
Falls das Monoid kommutativ ist, so spricht man 
von einem kommutativen Ring.

Beispiele für Ringe:
  ① (ℤ,+,∙) 
  ② Ring der Polynome ℚ[x]:
    Alle Folgen (aᵢ)_i∈ℕ mit aᵢ∈ℚ, interpretiert als a₀+Σaᵢ∙xⁱ
    (Polynome in einer Variablen mit Koeffizienten aus ℚ)
     
    
Definition: Körper
  Ein Körper (engl. field) ist eine algebraische 
  Struktur K=(K,⊕,⊙) mit Signatur (2,2) und:
    K1) (K,⊕) ist kommutative Gruppe mit neutralem Element 0
    K2) (K,⊙) ist kommutatives Monoid mit neutralem Element 1,
        welche als Unterstruktur die kommutative Gruppe
        (K\{0},⊙) besitzt
    K3) a⊙(b⊕c) = (a⊙b)⊕(a⊙c) für alle a,b,c∈K (Distributivgesetz)
  
Bemerkung: Unterschied zwischen Ring und Körper ist die Existenz multiplikativer Inverse.

Ring-Beispiele, welche keine Körper sind:    
  ① Keine Inversen zu ∙ in (ℤ,+∙), da z.B. 3 kein 
  multiplikatives Inverses besitzt (1/3∉ℤ).
  ② Jedes nicht-konstante Polynom wie etwa  p(x)=x 
  hat kein multiplikatives Inverses in ℚ[x]. 
  (Allerdings bildet ℚ(x) einen Körper: der Körper der
  rationalen Ausdrücke in einer Variablen x: 
    p(x)/q(x) mit p,q∈ℚ[x] und q≠0)
  Bemerkung: Anstatt ℚ kann man einen beliebigen Körper K verwenden. 
    
Abkürzende Notationen für n∈ℕ und x,y∈K:
  x+y   ≝ x⊕y
  x∙y   ≝ x⊙y     (oft auch nur xy)
  x-y   ≝ x+(-y)
  n∙x   ≝ x+x+…+x (n-mal)
  -n∙x  ≝ -(n∙x) 
  xⁿ    ≝ x∙x∙…∙x (n-mal)
  x⁽⁻ⁿ⁾ ≝ (xⁿ)⁻¹ = (x⁻¹)ⁿ (nach Lemma aus K06)

HINWEIS: Potenzgesetze gelten damit noch nicht allgemein, nur als abkürzende Schreibweise eingeführt; ansonsten Beweis erforderlich!

Spezialfälle: x⁰≝1, 0⊙x=0

In Körpern gelten die üblichen algebraischen Rechenregeln, z.B. Ausmultiplizieren, Ausklammern, etc.
Beispiel: 
  (x+y)∙(x-y) = (x+y)∙x - (x+y)∙y = x∙x+y∙x-x∙y-y∙y = x²+y²

Lemma: In jedem Körper K gilt
  1) a∙0=0
  2) a∙b=0 ⇒ a=0 ∨ b=0
Beweis:   
  1) a∙0 =(0 neutral zu +)= a∙(0+0) =(Distributivgesetz)= a∙0+a∙0 
    Also auch a∙0+0 = a∙0+a∙0 und mit der Kürzungsregel 
    für kommutative Gruppen (aus K06) folgt 0=a∙0,    
  2) Annahme a≠0 (sonst trivial). 
    Dann gibt es a⁻¹ und es gilt
    b=(a⁻¹∙a)∙b=a⁻¹∙(a∙b)=a⁻¹∙0=0
  □     
    
Beispiele für Körper: 
  ③ ℝ,ℚ,ℂ sind Körper mit den üblichen Operationen +,∙
  ④ K={a,b} mit
    ⊕|a b   ⊙|a b
    -+----  -+---
    a|a b   a|a a
    b|b a   b|a b
  
    Es gilt 0=a, 1=b; Inverse: -a=a,-b=b,b⁻¹=b
    (Da a die Null ist, gibt es a⁻¹ nicht.)
    Assoziativ-, Kommutativ- und Distributivgesetz verbleiben als Übung.
    (Hinweis: Dieser Körper ist Isomorph zu ℤ₂)
  
    Bemerkung:
      Man kann Polynomringe über beliebige Körper erhalten:
      Z.B. gilt (x+1)(x+1)=x²+1 in ℤ₂[x], denn
      x²+x+x+1=x²+(1+1)∙x+1=x²+1

  ⑤ Ein endlicher Körper mit 4 Elementen:
  ⊕|0 1 a b    ⊙|0 1 a b
  -+--------   -+-------
  0|0 1 a b    0|0 0 0 0
  1|1 0 b a    1|0 1 a b
  a|a b 0 1    a|0 a b 1
  b|b a 1 0    b|0 b 1 a
  
  Existenz von Inversen:
  -0=0, -1=1, -a=a, -b=b
  1⁻¹=1, a⁻¹=b, b⁻¹=a  
  Gesetze sind noch zu prüfen!
  
Definition:
Für einen beliebigen Körper K heißt 
p(x)∈K[x] _irreduzibel_, falls aus für alle q(x)∈K[x]
q(x)|p(x) schon q=1 oder q=p folgt.

Beispiel:
  x²+1 irreduzibel in ℝ[x]; 
  aber nicht in ℤ₂[x], denn x²+1=(x+1)² in ℤ₂[x];
  aber nicht in ℂ[x],  denn x²+1=(x+i)∙(x-i);

Lemma:
Für ein irreduzibles p∈K[x] ist K[x]/p ein Körper. 

Dabei sind K[x]/p die "Polynome modulo p", 
d.h. zwei Polynome gelten als gleich, wenn sie sich nur um ein
Vielfaches von p unterscheiden (also p|a-b bzw. a(x)=b(x) (mod p(x))).

Addition und Multiplikation werden in K[x]/p einfach modulo p ausgeführt;
additive Inverse bleiben unverändert; 
das multiplikative Inverse für q≠0 berechnet man mit Hilfe des
erweiterten Euklidischen Algorithmus: dieser liefert s(x),t(x)∈K[x]
mit 1=s(x)∙p(x)+t(x)∙q(x), denn es muss ggT(q,p)=1 gelten 
(ansonsten gilt q≡0 mod p falls p|q),
damit ist t(x) das gesuchte Inverse.

Beispiele:
  * ℝ[x]/(x²+1) ist ein Körper.
    In diesem gilt x²=-1, denn x²≡-1 mod x²+1.
    Alle Element von ℝ[x]/(x²+1) haben die Form α+β∙x für α,β∈ℝ. 
    Rechenregeln:
    (α₁+β₁x)+(α₂+β₂x)=(α₁+α₂)+(β₁+β₂)x
    (α₁+β₁x)∙(α₂+β₂x)=(α₁∙α₂)+(α₁∙β₂+α₂∙β₁)x+(β₁∙β₂)x²
                     ≡(α₁∙α₂-β₁∙β₂)+(α₁∙β₂+α₂∙β₁)x
    Tatsächlich ist ℝ[x]/(x²+1) ist ismorph zu ℂ
    
  * Der Körper aus ⑤ ist isomorph zu ℤ₂[x]/(x²+x+1),
    d.h. x²≡-x-1=x+1 (mod x²+x+1, mod 2), 
    also a entspricht x und b entspricht 1+x
    Z.B. gilt a∙b=x(1+x)=x+x²=x+x+1=1 
  
  * ℚ[x]/(x²-3) ≃ {α+β√3|α,β∈ℚ}
    Division (α+β√3)⁻¹=(α²-3β³)(α-β√3) (mit erw.Eukl.Alg. oder direkt)

Weitere Beispiele für endliche Körper    
  * ℤₚ ist ein Körper für p prim (ganze Zahlen modulo p);
    damit existieren multiplikative Inverse, da alle teilerfremd zu p.
    
    Für n nicht prim ist ℤₙ kein Körper, denn wenn n=a∙b und 
    a,b∉{1,n} dann hat a kein Inverses. Außerdem gilt in ℤₙ: a∙b=0,
    in einem Körper nicht gelten kann (siehe Lemma am Anfang).
    
    Beispiel: ℤ₃  
    +| 0 1 2   ∙| 0 1 2 
    -+-------  -+------
    0| 0 1 2   0| 0 0 0
    1| 1 2 0   1| 0 1 2
    2| 2 0 1   2| 0 2 1
    
    
Definition: Charakteristik  
  Für einen Körper K ist die Charakteristik von K, geschrieben char(K), 
  definiert als ord(1) 1 in (K,⊕) falls <∞, sonst char(K)=0.
  Falls K ein endlicher Körper ist, so muss ord(1)≠∞ sein.

  Erinnerung: Die Ordnung von 1 in der Gruppe (K,⊕) ist die kleinste 
  natürliche Zahl n mit n∙1=1+…+1(n-mal)=0.
  
Beispiele:
  * char(ℚ)=chat(ℝ)=char(ℂ)=0
  * char(ℤₚ)=p (für p prim)
  * char(ℤ₂[x]/(x²+x+1))=2 (da 1+1=0)

Satz: Ist char(K)≠0, so bildet {t∙1|0≤t<char(K)} einen (Unter-)Körper
  welcher isomorph zu ℤ_char(K) ist.
  Deshalb muss die Charakteristik ≠0 immer eine Primzahl sein.
  Diesen Körper bezeichnet man als den Primkörper von K.
Beispiel:
  Es gibt keinen Körper K mit char(K)=6, sonst wäre 
  6∙1=1+1+1+1+1+1=0 in K, aber 1+1≠0 und 1+1+1≠0.
  Aber (1+1)∙(1+1+1)=1∙1+1∙1+1∙1+1∙1+1∙1+1∙1=0.
  Dies widerspricht dem Lemma am Anfang, welches besagt 
  das (1+1)=0 oder (1+1+1)=0 gelten muss, wenn das Produkt
  0 ist.
Beweisskizze:  
  Allgemein ist für t∈ℤ_char(K) die Abbildung t↦t∙1 ein Isomorphismus.
  
Jeder endliche Körper mit endlicher Charakteristik ist ein Vektorraum
über seinem Primkörper ℤ_char(K), daher gilt |K|=char(K)ⁿ wobei n 
die Dimension des Vektorraums ist. 
Daraus folgt, dass die Kardinalität jedes _endlichen_ Körpers eine
Primzahlpotenz sein muss.
  
Satz:
  Zu jeder Primzahlpotenz q=pⁿ gibt es einen Körper mit dieser Kardinalität und dieser ist bis auf Isomorphie eindeutig bestimmt!
  Dieser eindeutige Körper wird als GF(q) bezeichnet.
  (GF: "Galois-Field" nach Évariste Galois, 1811–31).
  
Endliche Körper spielen z.B. in der Codierungstheorie eine wichtige Rolle, siehe Buch von A.Steger für ein ausführliches Beispiel.  
  

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